Gewalt als performatives Mittel ist so alt wie das Theater selbst, denn: Konflikte treiben die Handlung voran. In Anzieh- und Abstoßbewegungen kann die Darstellung kämpfender Körper das Publikum potentiell auf vielen Ebenen gleichzeitig affizieren. Und das schon seit Jahrhunderten.
Szenisches Kämpfen ist eine lebendige Kulturpraxis, aber wieso fechten wir heute eigentlich noch, obwohl kaum jemand im Publikum noch weiß, was ein Rapier ist?
Mit einem Blick auf die Entwicklung des deutschen Bühnenkampfs von der Renaissance bis heute fragen wir, was gesellschaftliche, politische und kulturelle Wandelprozesse mit der Darstellung und Ästhetik von Kämpfen auf der Bühne zu tun haben.
Dazu gehört die Etablierung stehender Theaterhäuser genauso wie der Umgang mit dramatischen Vorlagen, die Idee von Kampfstilen als Modeerscheinung und Brüche bzw. Kontinuitäten hinsichtlich der Waffenwahl.
Angekommen in der Postmoderne entwickeln wir den Begriff „Bühnenkampf“ weiter zu „szenischer Gewalt“ und hinterfragen, was die Sehfertigkeiten und Lebensrealitäten des Publikums mit der jeweiligen Gewaltdarstellung auf der Bühne zu tun haben.
Vortrag mit Praxisbezug und Diskussion.